„De Roede Molen“ auf dem „Roten Mühlenzwinger“


von Dietrich Janssen, Emden Mühlengeschichte, 1985

Die Rote Mühle, eine Bockwindmühle, wurde 1573 auf dem „Valdern Wall“ errichtet. Im Jahre 1574 folgten auf demselben Wall die südliche und die nördliche Mühle31, die Weizenmühle und die Gelbe-Mühle. Die Rote Mühlebefand sich ebenfalls auf den ältesten Stadtplänen von Emden aus den Jahren 1572, 1576 und 1595.Voigt schrieb: „Das erste urkundliche Vorkommen dieser Mühle befindet sich in den Emder Kontrakten-Protokollenunter XVII, 281 am 13. 3. 1584: Rote Valder Moele. 1702 kaufte Jan Otten Dirck Dircks Mühle, die Rote Mühlegenannt.“32„Extract aus den Emder-Amts-Rentei Rechnungen de 1709 pay 29. die rothe Mühle in Emden betreffend: Ihr Hoch. fürstl. Durchl. rothe Mühle in Embden ist mit Ihr Hoch. fürstl. Durchl. gnädigst Consens an Otte Janßen Ao1703 verkauft worden und Ao 1707 abermahl mit gnädigst Consens an Focke Lants gibt jährlichs auch MichaelyRthl. 30. In den Rentei-Rechnungen de 1745/46 heißt es bloß: Die rothe Mühle in Emden hat Ao 1712 Heinrich Onnen in Erbpacht erhalten, und zahlt um Michaeli ein Windgeld 30 Rthl. 1767/68 pay 6 heißt es nach den Bemerken: In Erbpacht erhalten und zahlet dem jetzigen Besitzer Dirk Janßen Müller. Die Rechnungen pro 1800/1801. Dierothe Mühle in Emden hat 1712 Hinrich Onnen in Erbpacht er-halten, und wurde darum jährlich gezahlt ein Windgeld 30 Rthl; nunmehr aber laut an liegendem Rehcr. d.d. Aurich vom 22.November 1799 von der Bäcker-Zunft in Emden 60 Rthl. Emden, den 30. Sept. 1801gez. Unterschrift“
Bereits am 13. Juni 1794 erwarb die vereinigte Mühlensozietät von dem Müller Wilke Nannen die rote Stander-Rocken-Mühle für 7500 Gulden in Gold. „De roede Molen“ wurde 1795 bzw.1810 als Galerieholländer neu aufgebaut.33Am 20. November 1822 um 5 Uhr morgens stand die Rote Müh-le in hellen Flammen. Sie brannte bis auf das Mauerwerk totalnieder. Durch herabfallende Stücke war ein Löschen des Feuers unmöglich. Die Mühlensteine fielen während des Brandes herab und zersplitterten auf dem Boden. Tage darauf wurde eine Untersuchung der Brandursache anberaumt und der Müller Peter Fokken Neelen sowie dessen zwei Mühlenknechte eines Verhöres unterzogen. Der Müller wie auch seine Gesellen sagten aus, dass sie nach Arbeitsende die Mühle verschlossen und vorher auch noch einen Gang durch diese gemacht hätten. Verdächtiges wurde dabei nicht bemerkt. Auch seien sie bald zu Bette gegangen - und erst durch den Lärm am frühen Morgen aufgewacht. Zu diesem Zeitpunktbrannte die Mühle bereits lichterloh. Die Brandursache konnte nicht ermittelt werden. Die Versicherungssumme betrug 8.000 holl. Gulden.
Im Jahre darauf wurde die ursprünglich dreistöckige Mühle als vierstöckiger Galerie-holländer wiederaufgebaut.34 Am 26. Mai 1857 richtete der Mühlenpächter W. C. Bohlen ein gehorsamstes Gesuch an den wohlhochlöblichen Magistrat der Stadt Emden mit der Bitte um die Erteilung der Conzession zum Halten von Sieben und Beutel-kisten zur Verfeinerung des Mehles und zum Groß- und Kleinhandel mit demselben. Zu dieser Zeit hatte noch keine Emder Mühle eine derartige Einrichtung zur Verfeinerung des Mehles, da die hiesigen Mehlhändler und Bäcker dieses bereits von auswärtigen Mühlen, insbesondere von Dampfmühlen, bezogen. Müllermeister Bohlen erklärte in diesem Brief, dass er das Mehl in gleicher Qualität und auch billiger liefern könne. Er bezog sich im übrigen auf eine Verordnung vom 12. April 1823 worin es hieß, dass der Einbau von Sieben und Beutelkistenerlaubt sei, wenn eine entsprechende Summe an die Kämmereikasse abgeführt werde. Das Gesuch des Müllers genehmigte der Magistrat der Stadt Emden am 3. Juni 1857.35
Die Mühle wurde von der vereinigten Mühlensozietät an den Müller Albrecht Diedrich Staal zu Emden am 4.Dezember 1895 veräußert und ihm eine Versicherungspolice mit Datum vom 5. Juni 1896 ausgestellt.36
Es gehörte zu der Mühle das Müllerhaus in der Großen Brückstraße Nr. 3/4, das damals von Staal bewohnt wur-de.37Beschreibung der Mühle Bei dem Galerieholländer handelte es sich um eine aus Ziegelsteinen errichtete vierstöckige Mühle, deren achtkantiger Unterbau bis zur Oberkante der Galerie eine Höhe von 12,80 Meter besaß. Die Mauer des Erdgeschosses hatte eine Dicke von 74 cm, die sich auf 54 cm im vierten Geschoss verjüngte. Der Oberbau besaß vom Mühlenkranz (Galerie) bis zur Achsmitte eine Höhe von 11,70 Meter. Die Kappe wurde von der Swichtstelling aus mit Hilfe des Steerts in den Wind gestellt.
Nach dem Neubau der Mühle im Jahre 1914 wurde die Kappe mit den Flügeln durch eine Windrose selbsttätig in den Wind gestellt. Ursprünglich waren auch keine Flügel mit beweglichen Klappen vorhanden. Diese wurden nunmehr zur Arbeitserleichterung ebenfalls angebracht. Die einzelne Rute besaß eine Länge von 9,80 Meter gemessen vom Achskopf bis zur Spitze. In der Roten Mühle waren zwei Doppelwalzenstühle und ein Griesauflöser zur Herstellung von Weizenmehl, Gries- und Roggenfeinmehl (4 1/2 Tonnen Tagesleistung) eingebaut. Außerdem war ein Mahlgang für Backschrot und ein Mahlgang für Futtermehl vorhanden. Es gehörten ferner die Reinigungs-, Putz- und Sichtmaschinen sowie Behälter, Silos, Elevatoren und Schnecken dazu. Zusätzlich war ein automatischer Graupengang eingebaut.
Die Gesamthöhe der Mühle betrug 25,40 Meter. Nebengebäude waren vor dem Brand im Jahre 1913 nichtvorhanden.38Die Brände der Mühle
Der erste Brand ereignete sich in diesem Jahrhundert am 1. November 1913. In der Ostfriesenzeitung vom 3.November 1913 berichtete darüber folgendes: „Die Rote Mühle bildete gestern und vorgestern von früh bis spät den Gegenstand einer Besichtigung für Tausende von Menschen. Nur noch die Umfassungswände von etwa 10m Höhe zeugten von entschwundener Pracht. 118 Jahre stand die Mühle. Sie wurde 1795 erbaut und nach 28Jahren ein Raub der Flammen. Inzwischen fegte ein Sturm noch die Flügel hinweg und vor einer Reihe von Jahren wurde sie mit Motoren ausgerüstet, die einen Betrieb nicht nur bei günstigem Wind zuließ.“39Außerdemverbrannten 100 Tonnen Getreide. Nach Aussagen von Augenzeugen brach der Brand im oberen Teil der Mühle aus. Die Gesamtentschädigung für Gebäude und Maschinen bezifferte sich auf 17.967 Mark. Versichert war die Mühle bei der Schlesischen Feuerversicherungsgesellschaft Breslau. Um den Betrieb vorläufig wieder aufnehmen zu können, wurde an die Mühle im Dezember 1913 ein provisorisches Gebäude angebaut in dem ein Lokomobile, das einen Grützstein antrieb, aufgestellt war.
Am 7. Januar 1914 stellte der Müller Diedrich A. Staalein Gesuch zum Neuaufbau der Mühle. Der Bauantrag wurde am 12. März 1914 genehmigt. Die Zeichnung fertigte der Bautechniker A. Hollander an. Die Bauarbeiten führte der Mühlenbauer Bernhard Dirks, wohnhaft Wilhelmstraße 101, aus.
Ende Juli 1914 war die Mühle in alter Form wiederhergestellt.40
Am 16. August 1916 um 12.35 Uhr schlugen die Flammen erneut aus der Mühle. Die „Emder Zeitung“ berichtete am 17. August 1916 darüber: „Im oberen Teil der „Roten Mühle“ der Firma Staal und Cramer brach gestern mittag Feuer aus, das rasch um sich griff und in kurzer Zeit das Mühlengebäude bis auf die Umfassungsmauern einäscherte. Die schnell herbeigeeilte Feuerwehr konnte den Brand nur noch auf seinen Herd beschränken und die benachbarten Häuser vor Schaden bewahren. Über die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt.“41
Die Mühle wurde aufgrund der Materialsperre in der Zeit des 1. Weltkrieges nicht wieder aufgebaut und der Mühlenstumpf deshalb nur mit einem provisorischen Dach versehen. Der Brandschaden bezifferte sich auf 36.930 Mark. Die seinerzeit genehmigte Dachabdeckung wurde mit der Auflage erteilt dass nach Friedensschluss die Mühle wieder aufzubauen sei.
Am 12. August 1925 wurde dem Müller Staal eine Polizeiverfügung zugestellt mit dem Inhalt, die Mühle nunmehr wieder instand zu setzen. Der augenblickliche Zustand könne nicht länger im Interesse des Stadtbildes geduldet werden.
Mit Schreiben vom 16. Februar 1926 erklärte sich Staal zum Wiederaufbau der Mühle bereit, jedoch hatte er nach der Inflation nicht mehr das dafür notwendige Kapital.
Im April 1930 brach erneut ein Brand in der Mühle aus, der jedoch keinen größeren Schaden verursachte. Versuche des Eigentümers zur Wiederherstellung des alten Zustandes in den 30er Jahren führten zu keinem Erfolg. Diese Bemühungen wurden nach dem 2. Weltkrieg fortgeführt. Um den Betrieb wieder aufnehmen bzw. ihn erweitern zu können, wurde bei der Stadt Emden ein Antrag zum Neubau eines Nebengebäudes gestellt. Diesem Antrag wurde am 6. November 1945 statt gegeben mit der Auflage, die Rote Mühle wiederaufzubauen. Aufgrund dieser Bedingung hatte der Müllermeister Staal Verhandlungen mit dem Eigentümer der Concordiamühle aufgenommen, da das Mühlenoberteil genau auf die Rote Mühle passte. Die Mühle war von Lotzkat (Eigentümer der Concordiamühle) bereits an die Mühlenbaufirma Gebr. Böök in Dunum auf Abbruch verkauft worden. Müller Staal erwarb die Mühle zurück. Mit Schreiben vom 26. Februar 1946 bat Staal die Stadt Emden, einem Abbruch und Wiederaufbau des Concordia-Mühlen-Oberteiles zuzustimmen. Die Abbrucharbeiten sollten von dem Mühlenbaumeister Heyen aus Riepe ausgeführt werden. Am 7. März 1946 wurde die Genehmigung erteilt. Mit dem Abbruch der Concordiamühle scheint man gleichbegonnen zu haben, denn in einem Brief sagte der Müller Staal aus, dass der Mühlenbaumeister Heyen z. Zt. mit den Abbrucharbeiten beschäftigt sei. Nach Überprüfung des gewonnenen Holzmaterials sollte dann daraus das neue Oberteil für die Rote Mühle hergestellt werden. Wann die Abbrucharbeiten der Concordiamühle beendet waren, konnte aktenmäßig nicht festgestellt werden. Auch wo das Material der Mühle verblieb, vermag ich nicht zu sagen.
Der Betrieb der Roten Mühle wurde am 25. Januar 1966 stillgelegt.
Danach ging sie in den Besitz der ev. ref. Gemeinde Emden über, die in den Jahren 1970/72 in der Mühle einen Kindergarten einrichtete.42

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